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Kinder in Maggie’s Sunhouse - Unser Jüngster: Angel Ojera
Windhoek, 11.08.2007

Von Maggie Nölting


Angel ist das Kind ugandischer Eltern, geboren am 2. Mai 2004 in Namibia. Kurz nach der Geburt des Kindes wurde die Mutter straffällig und zu 7 Jahren Haft verurteilt.
Während die Mutter bei Antritt ihrer Haftstrafe das Baby bei sich behielt, setzte sich der Vater nach Uganda ab. Es gibt seitdem keinen Kontakt mehr.

Anfang November 2006 wurde Angel, inzwischen 2 ½ Jahre alt, von einem Sergeant des Windhoek Central Prison zu uns gebracht. Das Ministry of Child Welfare hatte eine zeitlich begrenzte Aufnahme in „Maggie’s Sunhouse“ vorgesehen, da das Kind im Gefängnis nicht mehr bearable / tragbar war. Es weinte viel und zeigte starke Aggressionen.

Inzwischen ist Angel schon 9 Monate bei uns, und er wird bleiben. „Maggie’s Sunhouse“ wurde sein Zuhause. Sein Zuhause sind wir, Lena und Flyode (Caregiver ) und ich als seine neuen Bezugspersonen und all die anderen Kinder als seine Brüder und Schwestern.
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Den Kontakt zu seiner Mutter halten wir aufrecht. Ein- bis zweimal im Monat fahren wir während der Besuchszeiten in Gefängnis. Tage vorher bereiten wir den Jungen darauf vor. Wir beobachten ihn. Freut er sich? Worauf? Die Mutter? Die Autofahrt?

Am 27.Juni hole ich Angel in „Maggie’s Sunhouse“ ab. Lena begleitet mich. Sie muss das Kind im Auto auf dem Schoß halten. Angels Augen tränen. Seine Nase läuft. Er spricht nicht viel. Ab und zu holt ihn seine Vergangenheit wieder ein. Wir fahren dahin, wo er die ersten Monate und Jahre seines Lebens verbracht hat. Er kennt den Weg bereits.

Seine Mutter, Barbara Katende, nimmt ihn freudig in den Arm.
Sie hat eine Mütze und Handschuhe für den Kleinen gestrickt und verwöhnt ihn mit den Süßigkeiten, die ich für sie mitgebracht habe.
Unter strenger Aufsicht von „Censoren“ dürfen ein paar Fotos gemacht werden. Die Erlaubnis hierfür hatte ich vorher schriftlich beantragt.

Im Gespräch wird die Mutter sehr zugänglich. Sie bedauert zutiefst, was sie getan hat und vertraut mir zum ersten Mal an, dass sie bereits vor der Geburt von Angel HIV positiv getestet wurde. Oh nein, schießt es mir durch den Kopf. Wurde Angel etwa infiziert? Ich bin ihr dankbar, dass sie mir das erzählt hat und weiß, welche Aufgabe nun auf mich zukommt.
Bei der Verabschiedung gibt Barbara Katende mir einen Brief, vom Censor abgezeichnet.
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Wir machen uns auf den Weg durch den Gefängnishof zurück zum Auto.
Angel wirkt bedrückt. Auf der Rückfahrt taut er auf. All die Autos auf der Straße wecken wie immer sein Interesse. Sie faszinieren ihn.
„Maggie, look there,“ sprudelt es aus ihm heraus. „It’s a truck, it’s a bakkie, it’s a bus.“ Er weiß längst, dass mein Auto ein Chico ist.
In „Maggie’s Sunhouse“ angekommen, setze ich ihn auf mein Auto. Er ist glücklich.
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Ich fahre zurück in meine Wohnung . Die Aussage von Angels Mutter geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich werde alle unsere Kinder einem HIV Test unterziehen.
Nachdem ich die Vorbereitungen hierfür getroffen hatte, vereinbare ich einen Termin mit dem Leiter der neu gegründeten Organisation „New Start“, die HIV Tests anonym durchführt.
Am 30.Juli geht’s mit einem Transporter des Ministeriums los. Angel freut sich auf die Autofahrt. Angekommen in dem fremden Gebäude mit den vielen Räumen, klammert er sich plötzlich an mich und fängt kläglich an zu weinen. Diese Szene wiederholt sich, wenn immer wir Räume wechseln mussten. Erinnerungen an die Gefängnisjahre? Wurde er jedes Mal, wenn er nicht „tragbar“ war, irgendwo weggesperrt?

Bei der Blutentnahme verhält Angel sich ganz entspannt. Danach heißt es: Warten auf die Testergebnisse. Angel zieht die Aufmerksamkeit der Anderen auf sich, da er Passagen aus der Bibel aufsagt und von 1 bis 20 zählt.
Wir werden hereingerufen. Was ich jetzt höre, wirkt so wunderbar befreiend. Alle Testergebnisse sind negativ. Die Kinder spüren die Freude. Wir essen gemeinsam die mitgebrachten Schokoladen- bonbons und fahren nach Hause.
Angel läuft zu seinem Lieblingsplatz hoch oben auf der Rutsche.
Von hier kann er über die Mauer hinweg die Autos auf der Straße beobachten. Und er sieht auch mich in meinem Chico davonfahren.
„Bye, Maggie“, höre ich ihn wie immer rufen.

Bye Angel! Du wirst leben!

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