Wenn ein Butterbrot elf Menschen satt macht
Recklinghausen, 18.12.2004

von C. Oberste-Kleinbeck
 

Wenn Margret Nölting von ihrer Arbeit im afrikanischen Namibia berichtet, kommen ihr Dutzende Geschichten in den Sinn. Etwa die von dem Butterbrot, welches sie einmal mit zehn hungrigen Straßenkindern geteilt hatte. "Es wurden alle satt, weil in diesem Augenblick alle glücklich waren."

Seltsam muten diese Geschichten bisweilen den gemeinen Mitteleuropäer an, dessen Kühlschrank zumeist prall gefüllt ist, und der sich viel eher über die Diät nach den Feiertagen einen Kopf macht als über das Teilen von Stullen. Margret Nölting hat diese Geschichten erlebt.

1997 arbeitete die Hertenerin erstmals als Lehrerin in Namibia - dem ehemaligen Deutsch-Südwest - und sollte nach dem Ende der Rassentrennung schwarze Schüler an weißen Schulen integrieren. "Das war manchmal sehr hart", erinnert sich Margret Nölting, "in all den Jahren standen unzählige schwarze Eltern mit Sack und Pack vor der Schule und baten darum, dass ihre Kinder aufgenommen werden." Sie musste sie wieder wegschicken, war doch die Aufnahmekapazität mit durchschnittlich 40 Schülern pro Klasse schon längst erschöpft. Keine Frage, das fiel ihr schwer. Gleichwohl wusste sie, dass es in Afrika eine Gruppe von Menschen gibt, die noch viel weniger hat: die Aids-Waisen und Straßenkinder in den so genannten Townships.

Margret Nölting hat inzwischen mit Unterstützung des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen und des Distelner Eine-Welt-Kreises ein ehrgeiziges Projekt auf die Beine gestellt: In Windhoek ensteht ein Haus, in dem Straßenkinder aufgenommen werden und später behutsam in die Gesellschaft eingegliedert werden sollen. "Wir wollen unsere Zeit mit Kindern verschwenden", sagt Margret Nölting, "wir wollen ihr Vertrauen gewinnen und ihnen zeigen, dass Erwachsene für sie da sind."

Bereits im Jahre 2001 hat die Hertenerin als Lehrerin an der Windhoeker Delta-School mit ihren damaligen Schülern ein soziales Projekt gestartet, das Straßenkindern in den Townships unter die Arme griff und mit dem Nötigsten versorgte.Kleidung, Nahrung, Medikamente wurden in den folgenden Monaten gesammelt und regelmäßig verteilt, um die größte Not zu lindern.

2002 musste Nölting zurück nach Deutschland und unterrichtete ein Schuljahr lang an der Grundschule in Stuckenbusch. Als sie dann im Frühherbst vergangenen Jahres nach Windhoek zurückkehrte, "war vieles wieder den Bach runter gegangen", erinnert sich die Pädagogin und fasste einen Entschluss: Ein neues, nachhaltigeres Konzept musste her.

Mit dem einheimischen Pastor Paul Eimbeck und dessen Ehefrau hat die Lehrerin vor Ort die geeigneten Partner gefunden, um das Projekt "Maggie´s Sunhouse" umzusetzen. Margret Nölting hatte am Nordrand Windhoeks ein nahezu verfallenes altes Waisenhaus entdeckt und schließlich von der Stadtverwaltung angemietet. Mit tatkräftiger Unterstützung der von Pfarrer Eimbeck gegründeten Hilfsorganisation "Omega Helpline for Restauration" wurde das Gebäude Zug um Zug renoviert. "Am 1. Dezember sind der Pastor und seine Frau bereits als Hauseltern eingezogen. Ende Januar werden wir die ersten Kinder aufnehmen", sagt Margret Nölting. Nach der medizinischen Untersuchung, der Meldung bei der Verwaltung steht die eigentliche Aufgabe an: Vertrauen gewinnen. "Wir müssen die Kinder langsam auf die Aufgaben in der Schule vorbereiten".

Die besten Chancen, den Sprung in eine Schule und schließlich in die Gesellschaft zu schaffen, haben zumeist nur jüngere Kinder. Rund 20 bis 25 werden aufgenommen. "Ohne die großartige Unterstützung des Kirchenkreises Recklinghausen und des Eine-Welt-Kreises wäre aber vieles nicht möglich", sagt Margret Nölting und meint hier keineswegs nur die materielle Seite.

Am 13. Januar kehrt sie nach Windhoek zurück. Um Zeit mit Kindern zu verschwenden.
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WAZ-Artikel vom 18.12.2004

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